Bis vor wenigen Jahren noch ziemlich unbekannt, hat der Begriff „vegan“ sich heutzutage (weitgehend) im allgemeinen Sprachgebrauch etablieren können. Vegetarismus scheint von gestern, wer mit dem Ernährungstrend geht, geht vegan. Egal wo man hinsieht, die Lebensweise lässt sich mittlerweile fast überall finden: in Büchern, Zeitschriften, Kochsendungen und auch immer mehr auf den Straßen.
Uns interessiert welches die Gesprächsstoffe der Menschen sind, die sich im Social Web zum Thema „vegan“ äußern. Daher haben wir uns daher mit unserem Social Media Monitoring Tool Brandwatch ein wenig umgehört.
Sich vegan zu ernähren, heißt komplett auf tierische Produkte zu verzichten. Trotz der Einschränkung boomt der Markt. Vegan leben bedeutet nicht mehr nur Körner zu essen. Egal ob Hot Dog, Döner oder Burger, inzwischen muss der Veganer auf nichts mehr verzichten.
Thema Vegan im Social Web
Betrachtet man den Social Buzz von Mitte April bis Anfang Juni, so zeigte sich ein erster hoher Anstieg am 22. April. Ende Mai ist ein weiterer Anstieg sichtbar, der sogar über zwei Tage anhält.
Der hohe Peak am Anfang des betrachteten Zeitrahmens behandelt, unabhängig vom Wohnort der Teilnehmer, allgemeine Fragen zum Thema „vegan“. Häufig jedoch fällt der Begriff „Berlin“. In der Hauptstadt lässt sich bequem vegan Leben. Es gibt neben unzähligen Möglichkeiten vegan Essen zu gehen mittlerweile seit ein paar Jahren auch die komplett vegane Supermarktkette Veganz, in der VeganerInnen ohne eingehendes Studium der Inhaltsliste eines Produktes einkaufen können. Zudem gibt es eine Vegan Guide App für Berlin, die Standorte für vegane Restaurants, Imbisse, Eiscafés und Einkaufsmöglichkeiten in der Umgebung mit Wegbeschreibung auflistet.
Der zweite Anstieg über die Tage des 27. und 28. Mai hat unterschiedliche Ursachen. Für die Unterhaltungen des ersten Tages ist Aldi Süd verantwortlich. Der Discounter führte Ende Mai das vom Deutschen Vegetarierbund vergebene V-Label ein, welches fleischlose Produkte kennzeichnet. Dieses Label soll Vegetariern und Veganern das Einkaufen erleichtern. In einem ersten Schritt wurden verschiedene Produkte gekennzeichnet, die sich in vier Kategorien einteilen: vegetarisch, ohne Milch, ohne Ei und vegan. In den folgenden Monaten werden laut Discounter weitere Produkte mit dem Label eingeführt.
Einen Tag später stellt sich rbb-online mit Abstand als die Seite heraus, auf der vorrangig die Kommunikation stattfand. Berlin gilt als die Hauptstadt der veganen Szene in Deutschland. Vor allem junge Menschen verzichten dort immer mehr auf tierische Produkte. Das war Grund genug für rbb, eine Woche lang jeden Abend einen kleinen Beitrag darüber zu zeigen, wie man in Deutschlands Hauptstadt vegan lebt.
Doch was essen die veganen Berliner, wenn sie innerhalb Berlins unterwegs sind und nicht gerade zu Hause vor dem Herd stehen? Hört man sich im Social Web in Deutschlands Hauptstadt um, so merkt man schnell, dass Fast Food eine zentrale Rolle spielt. In bestimmten Stadtteilen Berlins findet man ein breites Sortiment derartiger Läden. Diese Entwicklung bietet zwar mehr Vielfalt und bessere Möglichkeiten, sich unterwegs ohne Probleme vegan zu ernähren, doch ist das auch die gesündeste? Auf jeden Fall bekommen Alternativen in unserem Diagramm nur ein kleines Stück der Pizza:
Bei den meistbenutzten Hashtags sorgt zunächst das Hashtag #ungesund für Verwunderung, das auf Platz 2 liegt und vielleicht nicht unbedingt als erstes mit veganem Essen in Verbindung gebracht wird. Dahinter verbergen sich aber keine Vegangegner, sondern der Vloger Simon Ungespielt. In einem Video berichtet er ausführlich über seinen Selbstversuch, bei dem er sich einen Monat lang vegan ernährte. Das Video wurde auf Youtube fast 200 000 Mal angeklickt.
Kulinarischer Geheimtipp
Dass es nicht immer Fast Food oder ein Fleischersatzprodukt sein muss, zeigt das Laauma in Berlin, welches Anfang Mai eröffnete. Hier liegen die Schwerpunkte auf Bio, Vegan und Nachhaltigkeit.
Letzteres bemerkt man bereits vor Betreten des Ladens: Die Stühle und Bänke sind aus recycelten Europaletten, die Decke aus ehemaligen Rettungsdecken, sowie Lampen aus alten Espressokochern. Auch bei der Essensausgabe setzt man auf Nachhaltigkeit: Speisen im Glas mit Pfandsystem und eine Stempelkarte für das Mitbringen der eigenen Lunchbox, damit weniger Müll entsteht.
Im Vordergrund steht vor allem aber das gesunde Essen und das Angebot deckt den ganzen Tagesbedarf ab. Dabei will man bewusst das Wort „vegan“ nicht zu oft benutzen, um dem Bistro keinen Stempel aufzudrücken.
Angeboten wird überwiegend saisonales Essen aus frischen biologischen Zutaten an. Die meisten Produkte werden regional bezogen, was die Transportwege kurz hält und Frische gewährleistet. Zudem sorgt saisonales Einkaufen für Abwechslung, was das Laauma auch ausmacht. Man verzichtet bewusst auf Imitationsprodukte aus Soja, Tofu oder Seitan, denn gutes Essen muss sich weder am Traditionsangebot ausrichten, noch benötigt man dafür teure Lebensmittel aus speziellen Supermärkten.
Für die Zukunft hat das Laauma viele Sachen geplant. Es wird Workshops zu Themen wie Rohkost-Kochen, Wildkräutersammeln und Backen geben. Weiter sind Food-Challenges geplant, bei denen Gastköche den Gästen ein Menü nach bestimmten Vorgaben zaubern müssen. Nächstes Jahr wird es zudem einen Food-Truck geben, der außerhalb von Berlin Hochschulen, Festivals und Ähnliches anfahren wird.